Los geht’s

Nach wochenlangen Vorbereitungen erklettere ich am 11. März 1997 in Schorndorf mein vollbepacktes, schweres Pony und fahre eiernd los. Gleich am Anfang die erste Panne. In Stuttgart funktioniert die Hupe nicht. Die Batterie ist kaputt. In Lörrach gibt es eine Neue. Ich übernachte bei Norbert, einem alten Freund. Es wäre idiotisch noch so spät nach Frankreich weiter zu fahren.

Fronkraisch

Als ich dort bin, ist fast durchweg kalt. Am zweiten Abend, als ich auf einer Baustelle einen Schlafplatz suche werde ich von den Bauarbeitern vor Wildschweinen gewarnt. Als ob das die größte Gefahr wäre, die ich zu bestehen habe! Kurz vor Spanien grille ich mir den Rest eines halben Hähnchens über einem Feuer, daß ein Weinbauer am Straßenrand gemacht hat. Hinter mir schweben schneebedeckte Gipfel der Pyrenäen über dem dunstigen Horizont. Kurz vor der Grenze geht mir doch glatt der Sprit aus und ich muß 30 Meter schieben.
In Spanien werden die Kurven so eng, daß der Lenkanschlag kaum ausreicht. Ich fahre scharf, öfters mal zu schnell, aber ich kann immer zaubern. Spanien ist schön und kalt, kalt, kalt. Nicht so, daß man klappert, aber ständig friert man. Das Land ist umwerfend schroff, karg und ursprünglich, leider ständig voller Müll. Die Sprache fällt mir leicht und gefällt mir. Ebenso die Tapas, mujeres y bebidas. In Zaragoza Begegnung mit Mariza, Lorenzo, Edith, Susanne y Juan Carlos... Banane Banane... Erbarme zu spät...
Auf den Ebenen nach Madrid pfeift der Wind, daß man sich die Reifen schräg abfährt.
18 März, einen Tag, nachdem ich Madrid verlassen habe. Schadensbilanz eines Sturzes: Handprotektor zerbrochen, Bremshebel, Fußbremshebel, Lenker, Gepäckträger verbogen, Fußraste, Tankrucksack abgerissen, Spanngurt kaputt, Zargesbox unförmig, Loch im Ärmel meiner Jacke, Knie, Hüfte und Steiß lädiert, Ölflasche gelocht, Schrauben zur Befestigung der Zargesbox abgerissen. Das kommt davon. Eine bessere Analyse: nicht recht ausgeschlafen, das Motorrad überladen und schlecht ausbalanciert, abgefahrene Reifen und ein ausgelutschtes Lenkkopflager wirkten zusammen.
Als ich im Graben liege läuft Sprit aus. Mein erster Gedanke ist: Das war's. Ein LKW- Fahrer hilft mir das Motorrad aus dem Graben zu zerren. Ich humpele, aber sonst ist an mir auf den ersten Blick alles heile. Abpacken, Schaden begutachten, die Guardia Civil ist sofort da, nett, der Motor läuft, allerdings mit schrecklichen Geräuschen, die sich nach und nach legen. Ich verstaue alles notdürftig und fahre weiter. Beim ersten Halt biege ich den Bremshebel gerade und baue die Fußraste ab, damit ich sie nicht verliere. Dann entschließe ich mich, die Reifen zu wechseln. Ich habe nicht mal Geld bei mir. Also eins nach dem anderen. Als erstes zur Bank, dann Fußraste anschweißen, beim Schuster den Tankrucksack nähen lassen. Dann fahre ich weiter. Ich verliere fast die Zargesbox, verliere sowieso viel zu viel. Mit der Zahnbürste gestern fing es an. Die hatte ich nur in die Reifen gelegt. Ihr Verlust hat mich in ein moralisches Loch geworfen. Dann sind die Trinkflasche, eine Wasserflasche und wieder das verfluchte Kettenspray weg, welches ich aber wiederfinde. Mittlerweile fehlt auch noch ein Gepäckgurt und noch eine Wasserflasche. Ich muß besser aufpassen. Im Ort Baes de Seguro oder so trinke ich ein kleines Bier. Komme mit drei Jungs ins Gespräch. Laden mich zum Trinken ein, dann ich sie. Der eine spricht mit einem Mechaniker und nach dem Mittagessen darf ich in seiner Werkstatt die Reifen wechseln und ein paar Geradebiegungen vornehmen. Dann tanke ich noch und alles ist fast wieder gut, die Moral nicht. Das Knie schmerzt. Ich lerne das Motorrad mit links anzutreten. Abends in Jodar Tapas, vino y llamar por telefono. Hasta luego, amigo.
Die Fahrt nach Ronda wird ein Benzinpoker. Oben an der Tankstelle kochen, telefonieren, schlafen. Am nächsten Morgen stelle ich die Ventile ein.

Ab nach Afrika

Unterwegs lasse ich noch die Schrauben für die Zargesbox anschweißen. Tanken, Ticket. Das Warten aufs Schiff verkürze ich indem ich mich mit zwei Hafenarbeitern unterhalte. Dann die starkwindige Überfahrt. Ich mache mir Gedanken, ob ich wohl noch mal zurückkehren werde. Gemeinsam mit zwei Deutschen erledige ich die Grenzformalitäten. Die Grenzer sind zum Glück zu faul, mein Gepäck zu durchsuchen. Wir fahren ein Stück weiter ins erste Café an der Straße in dem ich schon seinerzeit mit Christoph saß, trinken noch einen grünen Tee. Meine Schüssel parke ich direkt vor meinen Füßen. Gerade als wir aufbrechen ist 20 Meter weiter eine Massenschlägerei im Ganges. Es ist eine verkehrsrechtliche Auseinandersetzung und beeindruckend!
Jetzt bin ich alleine auf arabischem Territorium. Ich werde versuchen Jellil zu finden. Manche Ecken erkenne ich wieder. Ich war hier vor neun Jahren mit Christoph und dem Fahrrad unterwegs. In Tetouan hängt sich ein Typ mit einem Mofa an mich dran. Es ist wahrscheinlich der selbe Typ, uns schon damals auf der Fahrradtour belästigt hat. Damals wurden wir in ein Teppichgeschäft gelotst, und es war ein Wunder, daß wir unsere Fahrräder behielten. Heute weiß ich, wie das hier läuft. Ich hänge den Mofafahrer an der nächsten Kreuzung ab. Das Café außerhalb Tetouans, in dem wir mit Jellil gesessen haben finde ich, Jellil indes nicht. In dem Café kriege ich was ausgegeben. Man erinnert sich an Christoph und mich. Dann nimmt mich einer zum Abendessen zu sich nach Hause mit. Ich könne dort auch schlafen. Meine Laune ist seit der Überfahrt so und so großartig. Ich fühle mich bärenstark. Der große Raum, in dem serviert wird ist ohne Einrichtung. Ein Teil des Raumes ist mit Arkaden abgeteilt, alles ist gekachelt, auf dem Boden liegen Matten. Wenn die Söhne meines Gastgebers hereinkommen küssen sie mir die Hand, bleiben stumm. Die Konversation bleibt sehr schwierig. Die Bauern hier sprechen kein Französisch. Zu essen gibt es Margarinebrot, welches man in Olivenöl taucht. Leckcker. Dann wird mir empfohlen, ein Hotel in Tetouan zu nehmen. War nix mit hier übernachten. Also fahre ich wieder los in Richtung Chefchauen. Damit begehe ich ein paar Fehler gleichzeitig. Erstes Gebot: Du sollst in Afrika nicht nachts fahren. Außerdem will ich die Strecke bei Tage sehen. Zweites Gebot: Fahre niemals alleine. Drittes Gebot: Vermeide die arabischen Berge, Rückzugsgebiete der Banditen.
Ich frage an einem großen Haus, ob ich vielleicht im Garten schlafen könne. Doch man sagt mir, das ginge nicht, denn es sei eine Moschee doch man führt mich ein Stück zurück in ein Café. Hier könne ich bleiben.
Es ist ein rechteckiger Raum vielleicht zweieinhalb auf vier Meter. Ein kleiner Teil ist durch ein vitrinenartiges Regal, abgetrennt. Ansonsten stehen hier nur drei Holzbänke u-förmig an den Wänden. Nach und nach tauchen ein Duzend dunkler Typen auf und fangen an zu kiffen. Im Regal steht auch ein Fernseher. Er wird von einer Autobatterie gespeist. Das Bild ist ganz schief. Zweimal zeigen sie die Einweihung eines Staudamms durch König Hassan, dann läuft Derrick. Horst Tappert spricht perfekt französisch, BMWs rutschen im Schneematsch herum während ein alter Berber neben mir mit einem Krummsäbel Haschisch zerkleinert. Es ist grotesk! Ich rauche nicht, muß warten, bis alle gegangen sind, bin hundemüde. Immer wieder gehe ich hinaus in die Nacht und betrachte den blitzsauberen Mond, setze mich unter die bewachsene Pergola schaue dem ein oder anderen Lastwagen zu, wie er bunt belichtert, wie ein Weihnachtsbaum den Berg heraufkeucht, und frage mich, wie lange die da drinnen noch machen.
Irgendwann sind sie alle gegangen. Alle bis auf den Wirt. Der kippt vor Müdigkeit auch schon fast aus den Latschen. Wir stellen das Motorrad in den Raum, hoffentlich fällt es nicht um, sonst bin ich platt, richten uns auf dem Boden ein Lager und endlich darf ich schlafen.
Habe meinen Fahrstil geändert: hochtouriger. Mal sehen, ob das gut ist. Ich muß die Kurbelwellenlager schonen, auf Kosten eines höheren Benzinverbrauchs.

Begegnung mit einem Polizisten

Er hält mich an:

  • Bonjours
  • Bonjours, ça va?
  • Ah, sie sprechen französisch, wie schön. Willkommen in Marokko.
  • Danke!
  • Sind sie das erste Mal hier?
  • Nein, vor neun Jahren war ich mal im Norden.
  • Ah, das ist gut. Ich sehe, sie sind in guter Form. Gute Reise.

Er salutiert.

Marrakech, Stadt meiner Träume

Ich habe es geschafft. War eine weite Strecke heute. Über 700 km, die Nase schwarz vor Dieselruß, die Augen trüb vom Fahrtwind, der Arsch durchgesessen. Ich bin früh los, habe dem Wirt meine Djellabah geschenkt, noch ein Tee und dann ab. Meknes, Ouazzane, es ist alles nicht so befremdlich, wie ich es damals mit Christoph empfunden habe, aber doch sehr arabisch. Meine Sorgen, dass etwas von meinen Sachen wegkommt sind unbegründet, schließlich ahbe ich alles immer im Blick. Klonen gehe ich in der Natur, beim Essen und Tee trinken parke ich direkt vor meinem Tisch.
Den spanischen Sprit verdünne ich in Mekness mit 14l marokkanischem. Das Motorrad fängt an, beim Ankicken zurückzuschlagen, einmal so arg, daß ich mir einen blauen Daumen hole, als der Kickstarter mein Knie gegen den Lenker haut. Morgen muß ich unbedingt die Zündung nachverstellen. Der verfluchte Tankrucksack kippt immer nach links. Ich fahre total verkrampft, muß mich immer bemühen, locker zu sitzen. Immer wieder schlägt das Lenkkopflager bei Löchern. Irgendwann ist es mir zu bunt. Außerhalb der Stadt hole ich mein Werkzeug raus, fahre dann zum nächsten Mechaniker, leihe mir einen Hammer und ziehe es gut nach. Er will nicht mal ein Trinkgeld nehmen. Handwerker unter sich. Ein hübsches Mädchen redet auf französisch mit mir. Ich mache ihr ein Kompliment, sie bedankt sich. Gar nicht arabisch. Berber. Jetzt fährt sich das Motorrad viel besser ich muß nicht immer den Lenker niederdrücken und kann viel schräger in die Kurve.
Spät am Nachmittag ist Marrakech noch 300km weit entfernt. Jetzt heißt es hockern. Nach einer kurzen Teepause geht die Straße eine ganze Weile immer geradeaus. Knappe 120km ohne eine Kurve! So kommt man wenigstens gut voran.
Heir gibt es schöne Straßen, aber immer schön aufpassen in den Kurven. Der Strassenbelag ist glatt. Mittags ein Steak an der Straße. Ich sitze im Rauch. Aber solche Röstereien an der Straße gefallen mir bestens. Man ist draußen, kriegt alles mit usw. Abends wird es auch hier dunkel. Habe noch 80km vor mir. Schnell noch abgemessenen Sprit rein, Brille waschen und weiter. Im Dunkeln fahren ist wieder scheußlig. Ein ständiges Auf- und Abblendspiel mit dem Gegenverkehr. Ich klemme mich hinter einen PKW, denn mein Licht ist zu schwach. Verdammt viele finstere Gestalten huschen herum. Ich sehe Unglaubliches: Fahrräder mit funktionierendem Rücklicht.
Der mir vorausfahrende PKW- Fahrer denkt irgendwann, ich wäre ein Flic und tut so, als wolle er anhalten. Ich fahre vorbei, er sieht, daß ich ein Privatmann bin und fährt weiter. Ich winke ihn vorbei. Er hat verstanden- ich will hinter ihm bleiben. Doch leider fährt er einen ziemlich rußenden Diesel. Ich versuche der Wolke auszuweichen. Wenn der Gegenverkehr aufblendet bremst er immer abrupt ab. Wahrscheinlich ist seien Frontscheibe opak. Das Hinterherfahren bringt es also auch nicht. Ich fahre wieder auf eigene Faust und Risiko und komme tatsächlich in Marrakech an. Hinter mir der immer vollere Mond, vor mir orangenes Licht am Horizont, riesige Palmen, finstere Verkehrswege, windige Vehikel. Ich finde den Platz Jemma el Fna, den mir ein Mofafahrer nennt. Dort soll es billige Hotels geben. Die Schlepper nerven mich. Mit einem lege ich mich an. Ich bin so müde, daß ich nicht mehr freundlich bleiben kann. Ich finde selbst ein Hotel, parke das Motorrad in der bewachten Garage, mache mich schön und gehe in die Stadt. Viele Bleichgesichter rennen herum und fast alles ist verderbt. Habe ich mir Marrakech vorgestellt? Ja, aber bei Tage. Ich glaube nicht, daß irgend ein Ort schöner sein kann, als die Gassen von Hammam - Sousse in Tunesien. Aber was ich dort gesehen habe, habe ich durch Zufall gesehen. Glück ist unsuchbar. Ich erwarte nicht, hier so schöne Plätze zu finden. Schauen wir mal, was es morgen gibt. Auf dem Markt tausend Stände, zehntausend Leute, alles in den Rauch der Röstereien und Garküchen gehüllt, Trommeln, Schlangenbeschwörer, Märchenerzähler, Touristen. Überall wird Essen angeboten. Die Preise sind abgesprochen. Als erstes esse ich Schnecken in schwarzer Suppe, ein nie gekosteten Geschmack, unbeschreiblich, unmerkbar, einzigartig aber auch bestimmt nicht jedermanns Sache. Dann probiere ich an einem anderen Stand Fisch mit, und jetzt wird es unappetitlich, Fritten. Hier will man mich übers Ohr hauen.

Versuchte Abzocke

Fisch acht Dirham plus Fritten zwei Dirham, er will zwölf Dirham. Ich sage, das kostet nur zehn Dirham. Noch das Brot macht elf Dirham. Ich gebe einen Schein mit 20 Dirham und eine Münze mit einem Dirham. Er wirft den Schein in eine Schale, ein anderer schiebt ihn schwupp ein und ich kriege kein Wechselgeld. Weil ich das schon geahnt und alles sehr genau beobachtet habe, werde ich zornig und schreie die zwei an. Um mir zu zeigen, daß ich ihm nur zehn Dirham gegeben habe will er einen Zehn- Dirham- Schein aus seiner Tasche ziehen, erwischt aber leider meinen 20 Dirham Schein. Sie geben klein bei und mir mein Wechselgeld. Ich ziehe weiter und meine Wut ebbt nur langsam ab. Dann gehe ich noch in eine finstere Gasse rein und ich ärgere mich schon, daß ich einen Kuli und meinen Geldbeutel statt einem Messer bei mir habe, aber es geht alles gut, bis auf: „Donn-moa stüló!" („Gib mir 'n Kuli!") Wie ich es liebe! Wie ich so durch die Stadt laufe, sehe plötzlich an einer Straßenecke das Gerippe eines Motorrads lehnen. Ich denke mir, das kennst du doch, und dann erkenne ich es. Es war einmal eine XT 500. Ich überlege mir, was ich davon brauchen kann, aber bis auf den Ölmeßstab fällt mir nichts ein. Ist ja auch nicht mehr viel dran: Rahmen, Gabel, Räder, Lenker. Jetzt gehe ich den Tee trinken. Die anderen Spielchen, die für Touristen abgehalten werden, machen mir keinen Spaß. Tee trinken ist gut; diesmal bin ich in einem großen blauen Saal, der obligatorische, überlaute Fernseher zeigt mal wieder eine amerikanische Serie, braunderbe, schlechtbezahnte, ältere, alte und auch ein paar junge Araber aus 1000 und einer Nacht lassen sich in eine Hollywood - Märchenwelt entführen, in der gar nichts stimmt. Hier stimmt das Getränk und der Preis und man muß nicht vorher fragen, was es kostet. Plötzlich fällt mir ein, daß in dem Motorradwrack ja ein vielleicht brauchbares Lenkkopflager ist. Ich zahle und fahre in mein Hotel, wo ich die Motorradklamotten ausziehe und mir die Taktik überlege, wie ich billig an die Lager komme. Ich darf auf keinen Fall Interesse bekunden. In zivil gehe ich mir die Sache von nahem besehen. Es steht noch an der Ecke. In der Straße links davon ist ein Fahrradverleih. Dort frage ich, was mit dem Motorrad ist. Die Antwort ist nichtssagend. In der anderen Straße ist eine Werkstatt. Ich denke mir, eigentlich steht die Karre so rum, wie die „Fahrradleichen" in Köln, auf die niemand Anspruch erhebt. Man kann es also mitnehmen. Ich würde das Lager in der Tiefgarage des Hotels ausbauen, und den Rest der Leiche wieder auf die Straße stellen, zur Weiterverwertung so zu sagen. Aber sobald ich es wegschiebe kommen sie angerannt. So leicht klaut man in Afrika nicht. Also tue ich so, als wolle ich es nur so hinstellen, daß ich es von allen Seiten anschauen kann. Dann fange ich einfach an zu verhandeln. Zuerst frage ich nach dem Auspuff und den Stoßdämpfern. Aber das ist alles nix. Das Motorrad ist gar keine Leiche und soll wieder hergerichtet werden. Ich gebe meine vorige Richtung auf, nämlich die Behauptung, mein Motorrad sei in Deutschland und erzähle ihnen mein wirkliches Problem. Schon ist alles viel einfacher. Mohammed, der Garagenbesitzer sagt, in Casa sei eine Yamahavertretung. Die Optionen, dort anzurufen, das Teil zu bestellen, mit ihm, Mohammed, dorthin zu fahren, doch das Lager aus dem Gerippe zu verwenden, hier in Marrakech ein gebrauchtes Lager zu suchen, werden alle zugunsten einer Zugfahrt von mir alleine nach Casa verworfen. Das Motorrad will ich hier lassen.. Casa liegt von hier aus fast direkt im Norden und die schönen großen Stollen meiner Reifen werde ich noch im Sand brauchen. Ich würde mich freuen, wenn ich es ohne Hilfe aus der Heimat selbst schaffen würde, das Lager zu besorgen. Gestern abend beim Einschlafen hat Mohammed immer wieder davon angefangen, daß er das Lager flicken könne, z.B. dadurch, daß man nur die Kugeln ersetzt. Er will mir die Reise nach Casa ersparen. Ich muß ihm klarmachen, daß erstens ich gerne dorthin fahre, und zweitens wahrscheinlich nicht das Orginallager, sondern ein Kegelrollenlager eingebaut ist, und drittens ich keine halben Sachen machen will. Wir sind entsprechend spät eingeschlafen, denn wir mußten außer über Motorräder auch noch über seine Freundin Latifa, Frauen im allgemeinen, Arbeit, Geld, Deutschland usw. sprechen. Irgendwann werde ich mir mal ganz schön die Finger verbrennen. Ich gebe sehr viel Vertrauen. Heute werde ich mit dem Zug nach Casablanca fahren und mein ganzes Reisehab in Marrakech verteilt zurücklassen. Der Tresor des Hotels, wo ich meine Wertsachen hinterlegt habe, hat sich als Schublade hinter dem Tresen herausgestellt. Aber wenn was wegkommt, reiße ich den hübschen Damen den Arsch auf. Aisha, Aisha, écoute moi! Ich fühle mich in „meinem" Marrakech noch sehr wohl, aber bei der Wahl meines Logis habe ich einen Fehler gemacht. Statt ins Hotel „Gazelle" zu gehen und für 60 Dirham meine Ruhe zu haben, wohne ich umsonst bei Kaddurr, muß aber mit dem Taxi zum Zentrum fahren und ab und zu einen Zehner fürs Essen rausrücken. Was ich erstaunlicher weise gut kann, ist, mir keine Sorgen um mein Zeug zu machen. Die Angst, in Marrakech hängen zu bleiben ist schon nicht mehr so groß. Ich bin leicht angenervt. Die Konversation mit Mohammed ist schwierig, da er nur so schlecht französisch spricht. Außerdem will jeder hier meine Adresse in Deutschland.

Fahrt nach Casablanca

Ich fahre gleich nach Casa und werde mir am besten jetzt schon klar, was ich von dieser Reise erwarte. 1. Es kostet Geld, ca. 14 DM einfach. 2. ist der Zug viel neuer, als man es sich wünscht, wenn man das Lied von Crosby, Stills, Nash and Young „Marrakech Express" im Ohr hat. 3. geht es wahrscheinlich viel zu schnell. Jetzt sitze ich drin. Enttäuschung: der Zug ist klimatisiert, die Fenster sind stumpf. Werde ich mein Lenkkopflager bekommen? Ein Versuch ist es allemal wert. Außerdem sehe ich auf diese Weise Casablanca. Wenn ich es nicht bekomme, lasse ich es mir von Hansi und dem DHL schicken. Das kann zwar eine Weile dauern, aber wo kann man besser warten, als in Marrakech, „Where the girls are so pretty". Dennoch verspüre ich de Fähigkeit in mir, die Road zu hitten. Der Gedanke an den Sand in der Sahara verlockt mich, möglichst schnell weiter zu kommen. Gestern traf ich einen Holländer und einen Japaner. Sie kamen von Mauretanien herauf. Sie sagen, es sei eine bereisbare Strecke. Tombouctou reizt mich, als nächstes zu sehen. Ich meine, wenn ich mich ab Nouakchott möglichst nördlich halte, beim Rüberqueren, warum nicht? Wenn es einer schaffen kann, dann ich. Etzt fährt er. Versiffte Eisenbahnwagen ziehen an mir vorüber, Müllhaufen neben den Gleisen, seltsam anmutende Lokomotiven, bizarre Signalanlagen, Durchsage auf arabisch. Hab nicht alles verstanden. Die Gleise hier sind verlegt, wie in einem Bustrer Keaton Film. Als einmal ein Esel zu nahe steht, steigt er aus und zieht die Schienen zur Seite. Dreistöckige Bungalows, Palmen, ein Stück Stadtmauer, ein Fußballplatz, wandelnde Verschleierte, Eukalyptushain, Mobilettes am Bahnübergang, Schafherde, alles in allem eine schöne grüne Oasenstadt.

Ersatzteilsuche in Casablanca

Ich lerne eine junge Frau mit dem Namen Nadja kennen, die mir hilft, die Yamaha- Vertretung hier in Casablanca zu finden. Ich bestelle das Lager, zahle es an, es ist in 1 ½ Stunden da. Bis dahin Kaffee trinken, Bank, doch sie können mir kein Geld wechseln, zurück, Teile noch nicht da, in die Stadt, Bank macht gleich zu, kein Paß dabei, nur mit Führerschein Unterschrift den Traveller cheque gewechselt, zu Yamaha, Kugeln schlecht, schicken mich zu "Comptoir Roulement", auch keine Kugeln, schicken mich zu SKF haben auch nix schicken mich zu "Technique Roulement", haben nur die kleinen Kugeln, zurück zu SKF um komplette Lager zu kaufen und Kugeln rauszupulen, macht er nicht, schicken mich zu "Afrique Roulement", hat schon zu. Also morgen. Laufe herum, erstmal essen. Dann Hotel. Das Zimmer ist O.K., aber ich bekomme es nicht, weil ich keinen Paß habe. Mit Petit Taxi zum Commissariat Central. Zuerst ins neue, dann schicken sie mich ins alte, dort schreibt mir einer was, wieder ins neue, schicken mich zu einem anderen Eingang Die an der Pforte sagen, der Mann sei gerade im Büro. Er geht mit mir hoch, telefoniert, wir warten, zeige meine Arabischkenntnisse Dann, als nicht viel mehr passiert, gehen wir wieder runter. Ich warte an der Pforte. Mir wird ein Stuhl gebracht, dann werde ich weggeschickt, soll in einer ½ Stunde wiederkommen. Ich gehe zunächst einmal Tee trinken, während ein riesiger Vollmond auf dem anthrazitschwarzen Himmel über Casablanca aufgeht. Tja, schlafen kann ich nicht, habe nichts dabei, außer meinem Notizbuch, schreibe ich halt noch etwas. Vielleicht von den Zahnstochern, eine trockene Blüte, wilder Kreuzkümmel oder so etwas, man bricht ein dünne Stengelchen ab. und das war's. Heute abend habe ich zum ersten mal mein Geld in die Geheimtasche meiner Hose getan, den Geldbeutel im Hotel gelassen und wollte mir Casa noch bei Nacht besehen. Natürlich muß ich durch die finstere Unterführung gehen. Bin nicht umgedreht, als ich merkte, daß da was nicht stimmt, so wie heute nachmittag, als ich an sowas Gefängnis anmutendem in entlang ging und die Straße hinten von bösen Jungs abgeriegelt war nimmt. Meinen anderen Kilometer Vorteile Lauf ich mein großes Blickfeld. Ich muß nur rechts-links zur Seite sehen und kann dabei gut 360 Grad überblicken. Ich sehe den Typ, Typ düster der mich von hinten eingeholt zuerst will er mir eine Uhr andrehen. Dann sagt er, er könne Karte und tatscht mich von drei Seiten mit Händen und Füßen an, lehnt sich an mich. Ich werde ziemlich sauer worauf er verschwindet. 10 Min später geschieht das gliche. Ein Typ löst sich aus einer Gruppe von 3 Leuten und folgt mir. Er sagt etwas von Fußball und kommt mir auf die ziemlich gleiche Weise nahe, wie der Karatetyp, nur, das er einen Fußballer mimt. Ich schreie ihn an und er zieht ab. Ich besitze noch alles. Casablanca ist anders als Marrakech. Bis jetzt wollte mich keiner übers Ohr hauen, die Leute sind nicht aufdringlich aber ich glaube, abends ist es dafür nicht so easy. Die Leute hier sind wahnsinnig nett und hilfsbereit.
Das Wunder ist wahrscheinlich geschehen. Ich habe ein Lenkkopflager. Die Frage ist, ob es paßt. Wenn wir schon mal dabei sind, werde ich mir morgen einen Ölmeßstab kaufen. Bin mal gespannt, wie lange ich wegen der Kugeln herumlaufen muß und ob das mit dem Hotel klappt. Im Café gegenüber vom Bahnhof (die Toiletten vergißt man nie) wird ein Typ ziemlich unsicher, als ich mich neben ihn setzte. Das ganze Lokal ist in angespannter Unruhe. Ich beschließe das Problem zu lösen, ich frage, ob ich auch einen Zug aus seiner Shisha haben kann und alles ist wieder "tammam".

Rückkehr nach Marrakech

Im Zug zurück mit Lino und Nadja. Es stellt sich heraus, she’s a bitch. Lino kann sehr schlecht englisch und französisch und ist glücklich, mich als Übersetzer zu haben. In Marrakech setze ich die zwei in eine Taxe und laufe zu meinem Motorrad. Ich will die Teile noch heute einbauen. Doch die Türe ist abgeschlossen. Ich fahre in die Stadt, zeige meinen Freunden stolz die Ersatzteile herum Adi ist noch da. Er war ziemlich krank, ist die letzten zwei tage flach gelegen. Abends klappt dann endlich die Einladung bei Mohammed und wir essen eine Tajine mit Huhn und Fritten in einem Sultanwohnzimmer. Dann eiern Mohammed und ich auf einer Piaggio ohne Licht mit großen Zündungsproblemen nach hause. Dort packe ich die Ersatzteile aus und mich trifft fast der Schlag. Eine Lagerschale fehlt. Schlafe schlecht. Überlege, wo ich sie verloren haben könnte. Das Wahrscheinlichste ist, bei Mohammed in der Wohnung. Doch Mohammed sagt nein, er hätte dort schon nur 3 gesehen. Verdammt. Am nächsten Tag komme ich wieder mit meinen Verabredungen durcheinander. Es ist ein völliger Streß. Lino, Mohammed, Mohammed, Nadja, Lino. Der hat am Abend zuvor ziemlich Pech mit Nadja gehabt, die ihm ein Hotelzimmer abzockte. Ich fühle mich mitschuldig, weil ich sie zusammen gelassen habe. Aber Kopfschmerzen hatten mich veranlaßt, das Weite zu suchen. Am nächsten Tag um halb zwei zu Mohammed. Seine Schwester hat das Teil beim Putzen gefunden. Um drei Uhr bauen Mohammed und ich es ein. Die zwei kleinen Jungs, die in der Werkstatt voll mitarbeiten nehme ich nacheinander eine kleine Proberunde mit. Abends geht es dann mit Lino und Mohi zu Mohi. Das geht schief. Mohi 2 fährt bei mit. Mohi 1 kommt mit Lino später nach. Lino ist verunsichert. Ich verspreche mit ihm zusammen zu bleiben, gebe ihm mein CS Gas. Und dennoch geht alles in die Hose. Kein Hammam. Ich bringe Lino heim, fahre zu Kaddur zum Pennen. Er weiß, das ich morgen abreise und macht die Nacht zum Tag, labert mir die Ohren voll von Julio Iglesias, von seinem Plattenspieler. Dann will er mit mir nach Norden fahren. Es wird schwer, ihm meine Motive klar zu machen nach Süden zu fahren. Irgendwann läßt er mich endlich schlafen.

Abschied

Der nächste Tag ist Donnerstag. Kaddur quatscht mit noch mal 100 Dirham ab, dann in die Stadt, Motorrad packen, zu Lino zum Frühstücken, Geld wechseln, tanken, meine Bagage holen mit Lino Motorrad bepacken . Adios Lino! Von meiner Straße erabschieden, Fotos, dann los Richtung Süd. Nachdem ich erst die Häuser dann die Gärten hinter mir gelassen habe beginnt die Straße sich in enden Tälern immer am Flußlauf entlang zu winden. Die wunderschöne grüne Landschaft! Dahinter der ATLAS! Nach 50 km Lager Innenhof Dörfchens ) nachziehen. Dabei mache ich einen geliehenen Schraubenzieher kaputt. 5 Dirham. Billig. Mittagessen. Dann geht es den Paß hinauf. Im Vergleich zu allen anderen Autos bin ich sehr schnell unterwegs. Plötzlich begegnet mir eine Meute spanischer Geländewagen. Ich friere den ganzen Tag und ziehe mich viel zu spät wärmer an. Nur als mir am Fuß der Berge auf der anderen Seite ein heißer Wind entgegenkommt bin ich schnell am ausziehen. Jetzt geht es Richtung Meer auf einer ziemlich wichtigen Straße. Ich esse noch mal zu Mittag und an dem ganz scheuen Verhalten der Wirte merke ich , daß Fremde wie ich hier sehr selten vorbeikommen. Die Kulturlandschaft hier bringt vor allem viel Zitrusfrüchte und ein ebenfalls rastender Lastwagenfahrer schenkt mir einen keinen Sack Orangen. Dann mache ich mich wieder auf den Weg.

Die Sache mit der Orange

Als Motorradfahrer wird man hier nicht als Verkehrsteilnehmer ernst genommen. Die Entgegenkommenden überholen und drängen mich immer wieder gefährlich nahe an die Asphaltkante. Ich werde böse . und in mir keimt eine Idee. Ich pople während der Fahrt eine Orange aus meiner Jackentasche; man hat ja riesen Jackentaschen... Dem vierten, der es so treibt, verpasse ich eine Orange vor den Kühler. Es tut einen heftigen Schlag. Ich schaue vermehrt in den Rückspiegel, aber niemand verfolgt mich. Wie durch Absprache kommt es von nun an nicht mehr zu diesen unangenehmen Begegnungen.

Sidi Ifni

Abends in Ifni Spanier, ich esse mit ihnen, fahren ein Stück zurück, pennen draußen (wo sonst). Das Ölthermometer ist vom Lenker abvibriert. Am nächsten morgen befestige ich es am Lampengitter. Die Spanier verduften. Ein deutsches Rentnerehepaar campt am Ort. Sie versorgen mich mit Medizin, Frühstück, Tempos und schließlich nehmen sie mein Zelt mit nach Deutschland. „Erleichtert“ fahre ich nach einem Tag Erkältungspause weiter durch die wunderbare, grüne , hügelige spanische Sahara mit ihren roten Lehmbauten. Alles sieht so jung aus, wie eine frisch aufgebaute Spielzeugeisenbahn. Gen Süden wird es arider. Die Hitze jedoch bleibt aus. Abends in Laâjoune treffe ich beim Polizeiposten Patrick Bunny und Nathalie. Mit ihnen geht es weiter bis tief in die Nacht. An einer Relaisstation trinken wir Tee, dann schlafen. Am nächsten Tag ist mein ganzes Gepäck bei ihnen im Auto. Von der Geschwindigkeit und der Etappenlänge her passen wir gut zusammen. Rechts begleitet uns der Komet. Irgendwo liegen vier platte Kamele und ein zerstörter LKW am Straßenrand, darum eine aufgebrachte Menge. Wie riesige Steiftiere. Immer wieder diese Kontrollen. Alles wird ins große Buch geschrieben.

Der Konvoi

In Daklar warten wir auf den Konvoi mit Militärbegleitung. Campingplatz, duschen, Wäsche waschen, Polizei, Zoll, Militärpolizei, rasieren, Geld wechseln, Post, essen einkaufen Orangen. Der Konvoi setzt sich, nachdem jeder noch einmal die Polizeistation besucht hat und eine gute Weile in der Sonne am Stadtrand gewartet gebraten hat pünktlich mit zwei Stunden Verspätung in Bewegung. Nach 80, 340 km Kontrollen. Dann abends bei km 400 Übernachtung an einer Fort des Militärs. Ibrahim lädt mich ein, bei ihnen im Pickup zu schlafen. Es ist kalt. Tee, Futter, hin und her. Komet, super Himmel. Am nächsten Morgen werden wir früh rausgeschmissen, stellen uns auf. Warten, dann geht's durch Minenfelder bis zum letzen marokkanischen Posten. Warten. Ein zerfetzter Landrover, Minen, vom Wind freigelegt. Irgendwann werden wir durch ein Tor ins Niemandsland entlassen. Ab hier sind wir alleine. Einmal verlieren wir die Piste und sanden auch noch ein. Aber keiner fliegt in die Luft, als wir aussanden und rangieren, rumlaufen. Ankomme mauretanischer Posten. Pässe abgeben. Warten. Ein mauretanischer Soldat begleitet uns. ER hält unsere Pässe in einer Plastiktüte. Doch er ist kein Guid für die Piste. Er kennt nur die Minenfelder. Und so sanden immer wieder Autos ein. Ein Franzose ist besonders talentiert. Die Piste ist eine alte, zerbeulte, alte, kaum wahrnehmbare, alte Straße. Die Geschwindigkeit der Autos ist viel zu gering für mich. Irgendwann überhole ich und fahre 60-70. Zum zweiten Mal klappt der Tank hoch und der Benzinschlauch löst sich vom Benzinhahn. Ich rieche es und nur wenig Sprit geht verloren. Ab und zu überhole ich Autos des Konvois. Den Ersten darf man nicht überholen. Als ich irgendwann mal Ibrahim überhole meint er danach, ich sei um Reifenbreite an einer Mine vorbei. Das reicht doch! Noch mal Kontrolle. Dann in Nouadibou Abgeben der Fahrzeugpapiere. Wir sollen sie am nächsten Tag im Büro der Zollbehörde wiederkriegen. Und dann fängt das Theater mit diesem Sop an. Dieser erfindet Stories, um das Auto von Ibrahim zu kriegen. Das Wochenende liegt vor uns und der Präsident der Republik ist in der Stadt. Kurze Skizze der Szene: Phil, Lez und Ibrahim flicken den Kühler von Pit's Auto. Wir sind ca. 50 – 60 km vor dem Fischerdorf Nouadibou. Unser Führer ist unbrauchbar. Er schickt uns mit Absicht in tiefe Sandfelder. Wenn wir ein gutes Stück Piste finden, dann nur auf eigene Faust. Da ich meistens stehend fahre, sehe ich die besten Stücke der Piste. Dadurch habe ich bedeutend längere Wege. Oft fahre ich aber auch Luftlinie. Gestern ist mir der Benzinschlauch abgerissen. Dadurch, und durch die Tatsache, daß wir auf die schlechtesten Wege geschickt werden, steigt mein Spritverbrauch von 4,8 Liter (Straße) auf knappe 10 Liter. Der Sprit wird nicht reichen. Gestern Abend kam es zur Krise, als Ibrahim die Nerven verlor. Erst Essen und Schnaps beruhigten die Gemüter. Heute morgen sah dann alles nicht so wild aus. Nur , die Piste müssen wir selber suchen. Lez hat nicht so viel Erfahrung mit Sand und ist etwas zu vorsichtig. Er sandet oft ein. Dann kommen richtige Dünen, die wir überqueren müssen. Der Diesel für die Autos wird knapper. Aus angst einzusanden, fährt Pit dann zu schnell durch eine Welle. Der Radiator ist hin. An der gleichen Stelle hebt mein Hinterrad wegen tiefem Sand ab und gehe ich fast über den Lenker. Das Fahren im Gelände habe ich schnell raus. Einmal lege ich mich hin, weil Ibrahim mir in den Weg springt und ich seinetwegen in tiefem Sand bremsen muß. Auch dabei läuft Sprit aus. Wir habe einige Fehler gemacht. Ich sage immer, man muß in der Wüste genug Sprit mitnehmen, denn mit Sprit kommt man weiter als mit Wasser (wenn das Fahrzeug funktioniert). Aber jetzt habe ich selbst zuwenig dabei, weil das Motorrad auf der Geländeetappe nach Nouadibou nicht mehr als auf der Straße brauchte. Zweitens hielt ich den Sprit für schlecht. Drittens wollte ich von Pit nicht so viel Geld leihen. Meine Traveler-Checks haben sie nicht angenommen.

Die Engländer

Sandbleche, Karabiner und vernünftiges Seil fehlen, zuviel Glaube in Technik in Form einer kleinen elektrischen Winde, die mit Starterkabel angesteuert wird und bei der ersten richtigen Belastung reißt. Zudem wird sie bei offener Motorhaube bedient, der Fahrer sieht nichts, überfährt eventuell das Seil, der mit dem Kabeln rennt neben dem Auto her, wenn er nicht schnell genug ist, wirft er sein Schaltpult hinter dem Auto her, dabei wird nicht nur gewincht, am anderen Ende zieht auch noch der Allrad. Wirklich sehr professionell. Wenn ich hier auskommen, dann mache ich irgendwas anders. Wir waren bei den Endvorbereitungen auch zu den nervt, als daß wir alles hätten richtig machen können. Zur sehr St. steckt uns der Vortrag und die Ungewißheit, ob wir es überhaupt ob es uns überhaupt gelingt, der Stadt zu verlassen zu können, noch in den Knochen. Übrigens Knochen. Knochen in der Wüste sind schnell als. Sind tragbar. Der Gründer hat gehalten, ich habe beim Grillen Zahlung ein Salto über den Lenker gemacht. Das Zweirad war wie ein begründet dreiviertel im Sand verschwunden. Im Fischerdorf werden wir wieder abgezockt, übernachten in der Autoburg, ich auf dem Dach vom Benz.

Die letzte Saharaetappe- Am Strand entlang

Das Meer ist wunderbar, aber wir gehen nicht schwimmen, warten bis ca. 11 Uhr bis die Flut zurück geht, dann fahren wir los. Pit bleibt sofort hängen. Ich bin schon weiter vorne und flicke etwas an meinem Motorrad. Doch als ich fertig bin, fahre ich zurück. Der Mercedes liegt von vorne bis hinten mit dem Bodenblech auf. Ich holte den Wagenheber, der die Karre auf beiden Seiten ganz hoch und wir schaufeln dem Sand darunter hervor. Pit kommt frei. Wir fahren los, doch Lez hängt. Ich fahre alleine zurück und drückte ihn raus. Bis ich es heraus habe, wie man den Wellen ausweicht, erwische ich eine oder zwei ziemlich stark. Mir zieht es dabei fast die Füße von den Rasten. Das Motorrad ist sofort aus. Mit Tricks an der Zündkerze Vergaser Luftfilter Unterbrechung kriege ich es immer wieder zum Laufen. Einmal pfeife ich um eine Ecke und sehe zu spät, daß da Felsen sind. Der Reifen schlägt durch, hält aber die Luft. Einen andermal sehe ich ein Seil zu spät, das vom Oberstrand zu einem Boot gespannt ist. Es ist ca. 80 cm hoch. Ich Rutsche mit blockieren Rädern Heim und werde um geworfen. Gern, als die anderen zeigten und ich kann Klemm Tankstellen und ich weit vorne bin übermäßige ich ein Wasser noch, plötzlich Reise in ich total langsam. Ich stürzte nicht, dem aber trotz Maß. Da es mal wieder nicht läuft leere ich erst einmal meine Stiefel aus und warte auf die anderen. Mit meinem Werkzeug habe sich es schnell wieder flott. vorhin habe ich Phil mitgenommen. Ich sah eine Schildkröte auf dem Rücken liegen. Wir winken den anderen, Sie sollen weiterfahren, ich drehe um, doch Phil entdeckt, daß die Schildkröte schon keinen Kopf mehr hatte. Als ich wieder losfahren will, geht der Motor aus. Wir sind ganz hinten. Mir fällt fast der Fuß ab irgendwann fanden wir an zu joggen, das Motorrad schiebend. Weiter vorne ist ein Landrover. Vielleicht haben die einen Zündkerzenschlüssel. Tatsächlich. Phil schüttelt ich mit einem Allrad weiter. Ein Typ macht sich Zündkerze raus, befeuchtet sie mit Sprit, läßt den Sprit brennen und das Motorrad springt beim ersten Kick an. Ich will ihm es linke Hand geben, doch das wird in arabischen Ländern als Beleidigung aufgefaßt. Also jede ich ihm die Rechte und das Motorrad ist wieder aus. Das zweite Mal ist es nicht so einfach. Doch nach drei Mal Kerzen raus und rein machen läuft die XT wieder. Man sieht viele Dinge am Strand rumliegen. Einen toten Delphin, tote oder lebendige Fische, Krabben, die einem den Weg abschneiden wollen und dabei das Profil eines Pirellis kennenlernen.

Ankunft in Schwarzafrika

Ein Ende wird die Zeit knapp, weil die Flut kommt. Bei der Ausfahrt aus dem Strand, nochmals Sand bis zum absaufen. Bunte Tücher, schwarze, heiße Haut, tausenderlei Nüsse, alles was glitzert oder überhaupt alles wird vercheckt. "Ssssssssssssssst, mon ami, my friend..." Bleche mit Nüssen, Säcke mit Reis oder sonstiges, riesige Sattelschlepper mit sonoren Motoren, alles wuselt, wackelt, kriecht. Die Intimsphäre ist auf Null reduziert. Bizarr geflochtene Frisuren, bizarre Berufe, bizarre Gesichter, zu wulstige Lippen, Süßholzstengel werden gekaut, Splitter kleben an den Lippen, Tonnen werden auf transportiert. Geräusch- und Geruchskulisse. Der Fahrstil in Afrika ist wie das afrikanische lebenden- ohne Intimsphäre. Peter lacht, als ich im eine echte "Secico" Uhr zeige, die mir einer anbietet. Ich lerne Allül kennen, nachdem ich die Kette wechseln ließ, und das große Unglück betrachtet hatte, bei dem eine Mauer unterstützte, und drei Autos (ohne Insassen) unter sich begrub. Wir fahren zu ihm nach Hause. Dort bekomme ich Abendessen und neue Klamotten, meine alten werden gewaschen, eine Freundin wird mir verpaßt. Sie ist hübsch. Joints rauchen, Bier trinken, abends noch eine super Fischplatte mit Salat und Fritten. Tja, so lebe ich dahin in Dakar, Bier, Clubs, flüchtige Bekanntschaften, kleine Geschäfte machen, Pläne schmieden, den Alltag erfassen wollend, indem ich mir Schreinereien ansehe, die im Prinzip auf der Straße produzieren, das Kino besuche, in dem die Filme mehr Streifen haben als intakte Stellen, Dakar, mit seinem seher bunten, kreativen Fahrzeugverkehr; heute wollte mir einer vom Gegenverkehr mein neues Stiefelmesser aus dem linken Stiefel klauen, gestern wurde ich zwischen zwei Bussen eingeklemmt, und so weiter. Ansonsten beherrsche ich die Regeln. Regel Nummer eins: Schlucke viel Ruß. Diese Hauptregel gilt für jeden Verkehrsteilnehmer.

Das beste, was man von einer Reise mitbringen kann, ist die heile Haut.